Fichtinger's acustisches Cabinett

Einleitung

In dem kleinen Ort Hallwang etwa 10 km außerhalb von Salzburg befindet sich seit mehr als 35 Jahren eine interessante Sammlung mechanischer Musikinstrumente, die mittlerweile als kleines Privatmuseum geführt wird. Die unterschiedlichsten Instrumente wurden von Otto und Maria Fichtinger in liebevoller und mühseliger Kleinarbeit zusammengetragen und großteils auch selbst restauriert, sodass heute fast alle Instrumente spielbar sind.

Die Grundlage für die spätere Leidenschaft für mechanische Musikinstrumente wurde bereits in Otto Fichtingers Jugendzeit im Wien der Nachkriegsjahre durch die Wiener Werkelmänner gelegt. Schon damals begannen ihn mechanische Apparate zur Musikerzeugung zu faszinieren, eine Leidenschaft, die ihn sein ganzes späteres Leben nicht mehr loslassen sollte. Doch es sollte noch einige Jahre bis zum ersten eigenen Musikinstrument dauern, genauer bis zum Jahre 1970, als Otto im Salzburger Dorotheum sein erstes Symphonion ersteigerte.

Die nächste Erwerbung ließ vier Jahre auf sich warten, erst im Sommer 1974 war es wieder soweit. Otto und Maria begaben sich auf eine Urlaubsreise nach Dänemark, die jedoch in Kassel ein jähes Ende nahm: Sie entdeckten ein Seybold Orchestrion, zu deren Erwerb sie kurzerhand die Urlaubskasse plünderten. Die bis dahin geschätzte Stadtwohnung wurde nun definitiv zu klein und ein eigenes Haus fast schon zwingend notwendig. Nach dem Erwerb kleinerer Werkeln in der Zwischenzeit wurde 1977 der nächste Grundstein für die spätere Sammlung gelegt: Im Salzburger Baron Schwarz Park gastierte eine Zirkusfamilie, die in ihrem Bärenwagen eine Ruth & Sohn 34a Carussellorgel in erbärmlichsten Zustand aufbewahrte. Wieder kurzentschlossen wurde die Orgel gekauft und in liebevoller und mühseliger Kleinarbeit in mehr als 1000 Studen wieder zum Leben erweckt, bis sie schließlich im Frühherbst 1978 für ihren ersten öffentlichen Auftritt bereit war: dem Salzburger Rupertikirtag. Hier ist sie seither jedes Jahr neben Autodrom, Wellensegler und Kettenprater zur Freude vieler Erwachsener und Kinder zu bewundern.

Nach der Anschaffung der 34er Ruth Carussellorgel, von der es nur mehr drei Stück weltweit gibt, folgten weitere kleinere Instrumente, bis ein schöner Querschnitt durch die Geschichte der mechanischen Musikinstrumente geschaffen war und ein kleines Privatmuseum gefüllt werden konnte. Als die jüngste umfangreiche Restaurierung ist die große Spieldose zu nennen, die sich seit 20 Jahren im Besitz der Familie Fichtinger befindet.

Heute sind im Museum mehr als 100 Exponate zu bewundern, von einer Flötenuhr aus 1800 bis zum Edison Phonographen. Neben der Ruth & Sohn Concertorgel, dem Seybold Orchestrion, einem Hupfeld Reproduktionsklavier, einer wunderschönen großen Walzenspieldose sind es immer wieder auch die kleineren Objekte, die die Begeisterung und Aufmerksamkeit der Besucher an sich ziehen.

Besonders angetan von der Sammlung sind insbesondere immer wieder Volks- und Gymnasialschulklassen, sechs bis achtzehnjährige Jugendliche, die von Geschichte und Technik, sowie vom eigenen Ausprobieren der Instrumente begeistert sind. Interssanterweise hat es insbesondere ein einfaches Ariston-Werkl den Jüngsten angetan und es ist schon der eine oder andere Streit um das Recht, das Instrument zu spielen ausgebrochen.

Otto Fichtinger verstarb im Mai 2002. Er hat seine ganze Kraft und Liebe in den Erhalt von musikalischen Zeitzeugen gesteckt und mit Leib und Seele seine Instrumente restauriert und interessiertem Publikum gerne vorgeführt. Heute führt Maria Fichtinger die kleinen und großen Besucher durch das Museum, lässt alle spielbereiten Instrumente erklingen und den Besucher manche Werkeln und Drehorgeln sogar selbst ausprobieren.